Konzept

Wat Nu? – Das ist die Frage, die sich in Anbetracht der anstehenden gesellschaftlichen Herausforderungen stellt. Was heißt eigentlich demografischer Wandel in der Region? Wie wollen wir mit dem demografischen Wandel in der Region umgehen? Was müsste man dafür tun, um die Lebensqualität im einzigartigen Weltnaturerbe „Niedersächsisches Wattenmeer“ zu erhalten? Die vier Kommunen Wangerland, Norden, Spiekeroog und Juist haben sich auf den Weg gemacht, um diesen aber auch anderen Fragen auf den Grund zu gehen. Alle vier Gemeinden verbinden zwei Gemeinsamkeiten:

Erstens: Mit ihrer Lage im Biosphärenreservat, Nationalpark und UNESCO-Weltnaturerbe „Niedersächsisches Wattenmeer“ sind sie attraktive Touristenziele. Hunderttausende Besucher genießen jährlich die einzigartige Natur, viele haben in den Orten ihren zweiten Wohnsitz.

Zweitens: Sie wollen die Lebensqualität ihrer Kommunen ganzjährig gestalten und erhalten – für Einheimische und Touristen gleichermaßen; während der Touristensaison und auch danach.

Was ist das Ziel des Projekts?

Das wesentliche Ziel des Projektes ist die Entwicklung und der Anstoß von Lösungsansätzen im Umgang mit dem demografischen Wandel in den teilnehmenden Kommunen. Mit Hilfe unterschiedlicher partizipativer bzw. kollaborativer Methoden und Instrumente wollen wir in Zusammenarbeit mit den Menschen, die ein Interesse an einem zukunftsfähigen Leben in der Region haben, an diesem Ziel arbeiten. Den Raum dafür verschaffen wir uns mit Hilfe des konzeptionellen Ansatzes der Reallabore. In diesem Raum haben wir die Möglichkeit einer offenen Diskussion über die Probleme, aber auch über die Chancen des demografischen Wandels. Dieser Raum ermöglicht uns unsere Vorstellungen und Wünsche einer lebenswerten Gemeinde zu spinnen und zu äußern. Er ermöglicht uns Ideen zu entwickeln, wie wir unsere lebenswerte Gemeinde gestalten wollen. Wir haben in diesem Raum Platz neue Formen der Zusammenarbeit und Methoden auszuprobieren.

Wie wollen wir das Ziel erreichen?

Unser Reallaborkonzept setzt sich aus sieben Handlungsbausteinen (HBS) zusammen. Diese Handlungsbausteine werden bis  zum Jahr 2019 im Rahmen von Wat-Nu? angegangen, mit dem Ziel diese langfristig zu etablieren. Dabei ist zu beachten, dass diese Handlungsbausteine nicht nacheinander sondern zum Teil parallel und mal mehr, mal weniger angegangen werden. Außerdem ist die eine oder andere Kommune in den unterschiedlichen Handlungsbausteinen schon bereits mal mehr oder mal weniger aktiv, weshalb es nicht sinnvoll ist, alle HBS in allen Kommunen gleich zu behandeln.

HBS 1 – Governance-Strukturen: Dieser HBS umfasst die Schaffung von Governance-Strukturen. Das heißt es soll ein Rahmen geschaffen werden, indem sich verschiedene Menschen zu den Themen des demografischen Wandels jenseits der politischen Gremien einbringen können. Gleichzeitig soll diese Governance-Struktur möglichst einen guten Draht zu der Politik und Verwaltung haben, damit die Arbeit dieser Menschen nicht wirkungslos bleibt. Mehr hierzu erfahrt ihr auch unter Beteiligung.

HBS 2 – Demografischen Wandel verstehen: In diesem HBS geht es darum den demografischen Wandel im Kontext der einzelnen Kommunen zu verstehen und diesen greifbar zu machen. Im Austausch mit Bürgerinnen und Bürgern, den Vereinen und Verbänden, den Unternehmen und mit der Politik sowie Verwaltung wollen wir daher in Erfahrung bringen, wie sich der demografische Wandel in der jeweiligen Kommune zeigt und was in Zukunft noch zu erwarten ist. Außerdem möchten wir in Erfahrung bringen, was ihr an eurer Region schätzt und welche Einrichtungen für euch besonders wichtig sind.

HBS 3 – Visionen und Leitbilder: Der dritte HBS dient dazu sich einen Rahmen zu schaffen, in dem wir uns in den kommenden Jahren bewegen wollen und an dem wir unsere Ideen und Maßnahmen aber auch unser generelles Handeln in Bezug auf die Gemeinschaft ausrichten wollen. Dazu werden wir uns in die Zukunft versetzen und darüber diskutieren, wie wir uns unser Leben in der Gemeinde z. B. in 30 Jahren vorstellen und welche Entwicklungsszenarien denkbar sind.

HBS 4 – Experimente entwickeln: Im vierten HBS wird es darum gehen konkrete Ideen und Maßnahmen zu entwickeln, wie wir dem Leitbild in den kommenden Jahren näher kommen bzw. wie wir dieses realisieren können. Hier ist besteht also Raum darüber nachzudenken und zu diskutieren, wie z. B. das schulische Angebot, die ärztliche Versorgung, das Vereinsleben, die Bezahlbarkeit von Wohnraum usw. sichergestellt werden können.

HBS 5 – Experimente umsetzen: Ein Reallabor wäre kein Reallabor, wenn die Ideen und Maßnahmen in der Schublade verschwinden würden. Daher gilt es darüber nachzudenken, wie es ermöglicht werden kann vielversprechende Ideen und Lösungsansätze umzusetzen und anzustoßen. Im Rahmen von „Wat-Nu?“ wird es uns nicht möglich sein alles zu realisieren, aber vielleicht gibt es die eine oder andere Maßnahme, die sich kurzfristig umsetzen lässt. Nichtsdestotrotz gilt es die anderen Ideen voranzutreiben und anzustoßen und darüber nachzudenken, wie diese auch außerhalb von „Wat-Nu?“ zu realisieren sind.

HBS 6 – Evaluation und Monitoring: Dieser HBS umfasst die Auswertung der Wirksamkeit des Prozesses. Außerdem möchten wir in Erfahrung bringen, ob und wie die einzelnen Methoden und Instrumente dazu beigetragen haben, die Zusammenarbeit zu ermöglichen und zu verbessern. Und ob die Reallabore ein geeigneter Ansatz sind um den Umgang mit gesellschaftlichen Herausforderungen zu adressieren.

HBS 7 – Emanzipation und Verstätigung: Hierunter verstehen wir die Überführung des Reallabores bzw. der entstandenen Governance-Strukturen, der Methoden, der Maßnahmen usw. in die tägliche Praxis der kommunalen Arbeit und der Gemeinschaft.

Wie ist das Projekt Organisiert?

Über den soeben beschriebenen Handlungsbausteinen steht das Selbstverständnis des Reallabores. Darunter verstehen wir die folgenden Aspekte:

Generativer Zugang:  Das Reallabor ist ein Raum, in dem neues Wissen generiert und Lösungen sowie Ansätze für und mit den Menschen vor Ort entwickelt werden.

Kollaborativer Zugang: Das Reallabor bietet die Möglichkeit sich aktiv in die Entwicklung der eigenen Kommune einzubringen und fördert die Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Akteuren.

Governance-basierter Zugang: Das Reallabor schafft einen organisatorischen Rahmen, der die unterschiedlichen Akteure aus der Region zusammenbringt und ihnen einen Raum gibt eigene Ideen, Lösungsansätze aber auch Bedenken einzubringen, auszutauschen und voranzutreiben.

Wissensbasierter Zugang: Das Reallabor bringt Wissen aus unterschiedlichen Disziplinen und unterschiedlichen Ebenen zusammen. Dabei spielen nicht nur wissenschaftliche Erkenntnisse eine Rolle sondern auch die Erfahrungen und das Wissen, das die Akteure vor Ort haben.

Resilienzbasierter Zugang: Der demografische Wandel ist keine Herausforderung, die durch eine bestimmte Lösung gemeistert werden kann. Vielmehr geht es darum, sich den gegenwärtigen Gegebenheiten und sich den abzeichnenden Entwicklungen durch einzelne Maßnahmen anzupassen und mit ihnen langfristig umgehen zu können. Damit dies auch in Zukunft möglich ist, braucht es nicht nur physische Lösungen sondern auch entsprechender Rahmenbedingungen.

Ebenenbasierter Zugang: Dem demografischen Wandel kann nicht nur mit technischen Lösungen bei den Betroffenen begegnet werden. Vielmehr gibt es unterschiedliche Ebenen, die adressiert werden können. Im Rahmen von „Wat-Nu?“ werden daher Lösungen und Ansätze auch auf der organisatorischen, kulturellen oder strukturellen Ebene angestrebt.

Technischer Zugang: Die Technologie sollte den Menschen nicht ersetzen, aber sie kann ihn in vielen Belangen unterstützen. So auch im Rahmen von „Wat-Nu?“. GIS-basierte Instrumente können bspw. genutzt werden, um raumbezogene Informationen zum demografischen Wandel zu erzeugen. In virtuellen Arbeitsräumen können sich Menschen Zeit und Ort unabhängig in das Projekt einbringen. Im Rahmen von „Wat-nu?“ werden solche Instrumente, wenn wir es als sinnvoll erachten, eingesetzt.