Partizipation und Governance-Stukturen

Ein wesentlicher Bestandteil von Reallaboren ist die Einbindung von und die Zusammenarbeit mit zentralen Akteuren der Region und der Kommune. Dazu gehören vor allem die Bürgerinnen und Bürger, Initiativen, Vereine und Verbände, Politik und Verwaltung und sonstige Einrichtungen, die in der Region bzw. Kommune aktiv sind. Über dieses Mitwirken der Akteure sollen langfristig Governance-Strukturen etabliert werden, die sich mit den Herausforderungen eurer Kommune beschäftigen. Dazu weiter unten noch mehr. Ohne euer Mitwirken und Engagement ist die Gestaltung einer lebenswerten Zukunft nicht möglich. Nicht nur die Politik und die Verwaltung tragen die Verantwortung für die Zukunft sondern jede einzelne Person, die sich am Leben in einer Kommune beteiligt. Uns interessiert, was ihr an der Region und an eurer Kommune schätzt und warum, wo ihr noch Verbesserungsbedarf seht und welche konkreten Ideen, Wünsche und Anregungen ihr für die Anpassung an den demografischen Wandel habt und wo ihr aktiv werden könnt, um interessante Ansätze und Ideen in die Tat umzusetzen. Im Laufe des Reallabors werden wir daher verschiedene Instrumente und Methoden ausprobieren, die euch eine aktive Teilnahme an der Gestaltung der Zukunft im Wattenmeer-Raum und damit in eurer Kommune ermöglichen. Wir würden uns freuen, wenn ihr euch Zeit nehmt und die Möglichkeiten zur aktiven Gestaltung nutzt.

Wer ist mit dem Projekt angesprochen?

Wir unterscheiden zwischen den folgenden Akteursgruppen:

Lokale und regionale Akteure: Dazu gehören Bürgerinnen und Bürger, Vereine, Verbände und Organisationen, die in einer bestimmten Kommune oder Region leben und aktiv sind. Diese Gruppe ist diejenige, die unmittelbar mit den Veränderungen leben und umgehen muss, aber auch entscheidend mitbestimmen kann, ob und in welche Richtung die Anpassung an den demografischen Wandel stattfinden kann. Lokale und regionale Akteure können nämlich als Experten innerhalb ihrer Umgebung und als Entscheidungsträger auf individueller Ebene betrachtet werden.

Überregionale Akteure: Überregionale Akteure haben ein persönliches Interesse oder einen Bezug zu der Region bzw. Kommune, ohne sich dort ständig aufzuhalten. In diesem Zusammenhang verwenden wir auch den Begriff „Fans“. Das sind in erster Linie Touristen aber auch Menschen, die möglicherweise weggezogen sind und die Wattenmeer-Region dennoch als ihre Heimat betrachten. Es können auch Menschen sein, die die Landschaft oder die Natur des Wattenmeer-Raumes schätzen und lieben. Auch diese Menschen können durch ihr Handeln und Tun entscheidend mitbestimmen. Sie bringen überregionale Trends in die Region und sind ebenfalls Entscheidungsträger auf der persönlichen Ebene.

Kommunen und Regionen: Unter Kommunen und Regionen fassen wir Akteure aus Politik und Verwaltung zusammen, die auf kommunaler oder regionaler Ebene aktiv sind. Sie sind in erster Linie Entscheidungsträger auf der formellen Ebene und dafür verantwortlich bei der Gestaltung der Rahmenbedingungen vor Ort im Sinne des Gemeinwohls zu handeln. Das heißt aber nicht, dass bei ihnen die alleinige Verantwortung für das Gemeinwohl liegt und sie den Bürgerinnen und Bürgern alles auf dem Silbertablett servieren. Dazu zählt auch, den Bürgerinnen und Bürgern aufzuzeigen, wo sie selber aktiv werden sollen und müssen, damit eine Kommune funktioniert und ihnen auch entsprechende Möglichkeiten einzuräumen.

Wissenschaftliche Akteure: Wissenschaftler verfügen in der Regel über ein breites Wissen über verschiedene Methoden und Instrumente, Technologien und Lösungsansätze usw. Ihre vornehmliche Aufgabe besteht daher darin, Veränderungsprozesse und die Entwicklung potentieller Anpassungsoptionen zu unterstützen und zu begleiten, ihre Erkenntnisse und Wissen zur Verfügung zu stellen sowie neue Erkenntnisse für die Gesellschaft an sich aber auch die Menschen vor Ort aus den Erfahrungen zu generieren.

Wie können wir aktiv werden?

Die einzelnen Akteure werden im Laufe des Reallabors auf unterschiedliche Art und Weise zusammengebracht und eingebunden. Dabei besteht die Möglichkeit zur Anwendung verschiedener Methoden. Hier unterscheiden wir zunächst einmal zwischen der Zusammenarbeit in realen und virtuellen Arbeitsräumen. In einem virtuellen Arbeitsraum können die Menschen zeit- und ortsunabhängig zusammenkommen und sich austauschen. Diese Webseite ist zum Beispiel ein solcher virtueller Arbeitsraum. Hier könnt ihr euch einerseits über das Projekt, dessen Hintergründe und Ergebnisse informieren. Gleichzeitig besteht während bestimmter Zeiträume die Möglichkeit, sich über diese Webseite aktiv in das Projekt einzubringen. Um euch das zu ermöglichen werden wir überwiegend auf die drei folgenden Tools zurückgreifen:

Asset-Mapping: Eine Asset-Map ist eine Übersichtskarte der zentralen Einrichtungen, Orte, Objekte, Landschaften, Besonderheiten einer Kommune bzw. Region, die aus Sicht der dort lebenden Menschen aber auch aus Sicht der „Fans“ identitätsstiftend und für das Funktionieren der Kommune von großer Bedeutung sind. Sie stellt somit eine Übersicht des regionalen Kapitals dar. Mit Hilfe des Asset-Mapping können somit Stärken aber auch kritische Aspekte einer Kommune identifiziert werden. Das Einbringen einer persönlichen Bewertung und Einschätzung durch die lokalen Akteure und die „Fans“ ermöglicht Einsichten in die Region, die man durch reines Auflisten von Infrastrukturen und Organisationen niemals bekommen kann.

Green-Mapping: Das Green-Mapping richtet sich vor allem an die sogenannten „Fans“. Es soll als Türöffner-Tool genutzt werden, um die Menschen zu erreichen, die zwar einen Bezug zu eurer Kommune haben, jedoch nicht dauerhaft oder vielleicht auch gar nicht darin leben. Durch das Aufzeigen beliebter und schöner Orte durch die „Fans“ wird zudem deutlich, welche Punkte oder Orte in der Region als Schätze der Natur zu bewerten sind. Obwohl diese Menschen nicht in der Region leben, haben sie möglicherweise trotzdem Ansätze und Ideen, wie man dem demografischen Wandel in der Region begegnen kann. Und genau dieses Potential möchten wir mit Hilfe des sogenannten Green-Mappings aktivieren.

Ideen-Tool: Aufbauend auf den Ergebnissen der Bestandsanalyse und der Problemdefinition bietet das Ideen-Tool die Möglichkeit, neue aber auch bereits existierende Ideen und Maßnahmen zu teilen, die konkrete bestehende und zukünftige Herausforderungen adressieren sollen. Über das Ideen-Tool werden eure Ansätze, Vorschläge und Ideen gesammelt und für die breite Öffentlichkeit aber auch für die Politik und Verwaltung zur Diskussion gestellt. Dabei gibt es keine richtigen oder falschen Ideen, sondern nur in dem jeweiligen Kontext bessere oder weniger gute. Die Diskussion darüber findet auch zum Teil über das Ideen-Tool statt.

Eine Beteiligung alleine über den virtuellen Raum ist langfristig nicht zielführend, weshalb wir auch Strukturen in den realen Arbeitsräumen schaffen wollen. Reale Arbeitsräume sind im Gegensatz zu den virtuellen Arbeitsräumen sowohl orts- als auch zeitgebunden. Das heißt die Zusammenarbeit findet konkret an einem bestimmten Ort zu einem bestimmten Zeitpunkt in eurer Kommune statt. Damit sind also Arbeitskreise, Workshops und sonstige Formate der Zusammenarbeit zu einem bestimmten Thema gemeint. Solche Formate sollen über alle Phasen von „Wat Nu?“ genutzt werden, um beispielsweise Herausforderungen, Ideen oder Lösungsansätze zu entwickeln, zu diskutieren und zu bewerten. Daneben verstehen wir unter einem realen Arbeitsraum auch Orte an denen konkrete Maßnahmen umgesetzt und ausprobiert werden können. Wir sprechen hierbei von sogenannten Interventionspunkten. Das Ziel eines Reallabors besteht nicht nur darin Maßnahmen und Strategien zu entwickeln, sondern auch darin vielversprechende, spannende und zukunftsweisende Ansätze in die Tat umzusetzen und anhand dieser zu lernen.

 

Was hat es nun mit den Governance-Strukturen auf sich?

Aus der Kombination virtueller und realer Arbeitsräume sollen Governance-Strukturen entstehen, die auch über die Projektlaufzeit hinaus bestehen. Unter Governance-Strukturen verstehen wir dabei einen informellen Zusammenschluss von Personen, die Teil der Kommune sind oder eine Verbundenheit zu ihr verspüren. Diese Personen arbeiten an den konkreten gesellschaftlichen Herausforderungen ihrer Kommune, versuchen diese also zu definieren, zu beschreiben und Lösungen zu entwickeln. Ein solcher Zusammenschluss von Personen ist dabei nicht als Konkurrenz zu den gewählten und legitimierten Vertretern zu verstehen sondern als Bereicherung dieser. Für das langfristige Bestehen und das Engagement der Bürgerinnen und Bürger aber auch der „Fans“ innerhalb eines solchen Zusammenschlusses ist es daher unerlässlich, dass die Politik und Verwaltung dem offen gegenüber steht und solche Strukturen unterstützt. Das Ziel ist es nämlich, gemeinsam an konkreten Lösungsansätzen und Ideen zu arbeiten, um das (Er-)Leben, Arbeiten und Wohnen langfristig attraktiv zu gestalten. Für „Wat Nu?“ sind wir daher auf der Suche nach Menschen und Organisationen, die ein Interesse daran haben ihre Kommune in einem positiven und zukunftweisenden Sinne zu gestalten. Wenn du also Interesse daran hast mitzuwirken, dann kontaktiere das Organisations-Team und gestalte die Zukunft deiner Kommune aktiv mit.